Worms wird (fast) Wildtierzirkusfrei
Veröffentlicht am 14. August 2011
Der Haupt‑ und Finanzausschuss der Stadt Worms hat beschlossen, Zirkusse nur noch gastieren zu lassen, wenn sichergestellt ist, dass keine Wildtiere mitgeführt werden. Genauer: Es gibt eine Liste von Tierarten, die nicht mitgeführt werden dürfen, die zwar umfangreich, aber nicht vollständig ist (z.B. fehlen Löwen und Tiger).
Damit orientiert sich die Stadt Worms am „Heidelberger Modell“ und geht noch einen Schritt weiter: Während in Heidelberg in (bislang noch nicht aufgetretenen) Einzelfällen Ausnahmen vom Wildtierverbot gemacht werden können, lässt Worms keine Ausnahmen zu.
Beachtenswert ist, dass die Stadt Worms mit ihrer Regelung ein gewisses rechtliches Risiko bewusst eingeht: Die Zirkuslobby ist nach unseren Beobachtungen sehr klagefreudig. Auch wenn wir davon ausgehen, dass eine Klage gegen das Wildtierverbot in Worms keine Aussichten auf Erfolg hat, sind die Ausgänge von Gerichtsverfahren vor allem in erster Instanz schwer einzuschätzen. Insofern appellieren wir dringend, bei etwaigen Rechtsstreitigkeiten bis in die letzte Instanz zu gehen. Andernorts wurde das schon versäumt, was zu einer ungewollten Stärkung der Zirkuslobby führte.
Der Vorstoß von Worms macht wieder einmal deutlich, wie wichtig und dringend ein bundesweites Wildtierverbot ist. Im Gegensatz zu den Verantwortlichen in Worms versteckt sich die zuständige Bundesministerin Ilse Aigner allerdings hinter angeblichen rechtlichen Bedenken. Es ist schon mehr als peinlich, wenn sich die Bundesministerin von einem städtischen Ausschuss zeigen lassen muss, dass echter politischer Wille sich von (durchaus überschaubaren) juristischen Unsicherheiten nicht bremsen lässt.