Was ist aus Mausi geworden?
Veröffentlicht am 30. Januar 2010
„Was ist aus Mausi geworden?“ So und so ähnlich lauteten viele Anfragen, die wir in letzter Zeit bekommen haben. Ein Mitarbeiter der Organisation Elefanten-Schutz Europa hat die Geschehnisse für Sie zusammengefasst:
Wildtiere können im Zirkus nicht art‑ und verhaltensgerecht gepflegt werden. Unter den Bedingungen des Reisebetriebes sterben z.B. etliche Tiere früher als in der Natur oder erleiden gesundheitliche Schäden.
Mausi vom Zirkus Voyage ist solch ein Tier. Die Elefantenkuh ist mit 30 Jahren erst im mittleren Alter, leidet aber bereits seit Jahren an fortgeschrittener, schmerzhafter Arthrose. Arthrose ist eigentlich eine Alters‑ und Verschleißerkrankung, die bei Mausi offensichtlich durch zu langes Stehen auf harten Böden, zu wenig Bewegung und ständige Transporte in verhältnismäßig jungen Jahren entstanden ist. Seit über einem Jahr sind die Beschwerden der afrikanischen Elefantenkuh so stark, dass sie nicht einmal mehr in der Manege auftreten darf.
Mausis Krankheit ist nicht zu heilen, deren Verlauf ist aber stark abhängig von ihren Lebensumständen: Können die Krankheitsursachen ausgeschaltet und der Elefantin auf Naturboden ausreichend Bewegung ermöglicht werden, ließen sich ihre Beschwerden lindern. Sie hätte noch einen schönen Lebensabend vor sich. Muss sie aber weiter bis zu 50 Mal im Jahr umziehen und in kleinen Gehege auf Festplätzen mit hartem Untergrund stehen, dürften Schmerzen und Gehbehinderung schnell zunehmen und ihr Ende innerhalb der nächsten Jahre herbeiführen.
Die Initiative für ein Verbot von Wildtieren im Zirkus setzt sich deshalb dafür ein, Mausi in einem guten Zoo unterzubringen. Dort hätte sie erfahrene Pfleger und Tierärzte sowie einen geeigneteren Untergrund und vor allem viel mehr Platz als im Zirkus. Der Zoo Osnabrück ist bereit, die Elefantin jederzeit aufzunehmen. Fast 4000 Menschen sehen dies genauso und unterstützten unsere Mitmach-Aktion mit ihrem Votum.
Zirkusbetreiber betonen immer wieder, wie sehr sie ihre Tiere lieben. Doch würde Liebe in diesem Fall nicht eher bedeuten, auf Mausis Krankheit zu reagieren und ihr von sich aus den Reisestress zu ersparen? Die Sprecher des Zirkus Voyage lehnen dies jedenfalls ab, wollen sich zu Mausi nicht äußern.
Mausis Schicksal liegt nun in den Händen der zuständigen Behörden. Ihre Berufsordnung macht sie zu Schützern der Tiere, und ihre Aufgabe ist es, einzugreifen, wenn die Haltungsumstände einem Tier fortdauernde Leiden und Schäden zufügen. Wenn ein Tierbesitzer nicht selbst zur Einsicht kommt, haben sie nicht nur die Befugnis, sondern auch die Pflicht, einzugreifen.
In Zusammenarbeit mit dem Verein Elefanten-Schutz Europa haben die in Berlin zuständigen Amtsveterinäre aus Charlottenburg-Wilmersdorf alle wichtigen Informationen erhalten.
Sie waren sich über die Leiden des Elefanten im Klaren, sie waren auch darüber informiert, dass das Zirkusleben Ursache hierfür ist. Den Veterinären musste klar sein, dass ein Tier, das nicht einmal mehr in der Manege auftreten darf, weil es zu krank ist, nach anderen Normen zu halten ist als die übrigen Zirkustiere. Gemäß den meisten völlig unzureichenden Zirkusleitlinien sollen solche Tiere übrigens gar nicht mitgeführt werden. Der Behörde war zudem vermittelt worden, dass der Zoo Osnabrück Mausi jederzeit übernehmen würde – sogar eine Transportfirma war bereits gefunden.
Doch sah sich die Behörde zum Handeln aufgerufen? Nein.
Mausi wurde nicht aus den krank machenden Lebensumständen im Zirkus genommen und in den Zoo gebracht. Nicht einmal die klar unterschrittenen Haltungsnormen wurden zur Kenntnis genommen und geahndet. „Zirkus Voyage – ohne Beanstandungen“, lautete das Urteil der Veterinäre.
Von den Fakten, über die das Amt informiert worden war, tauchte in deren Argumentation nichts auf, sie wurden nicht weiter beachtet. Die Chance zum Informationsaustausch, z.B. mit dem Zoo Osnabrück, anderen Ämtern usw. wurden nicht genutzt. Klare Verstöße gegen geltende Richtlinien wurden „übersehen“.
Die Veterinäraufsicht Charlottenburg-Wilmersdorf hat Mausi keine Hilfe zuteil werden lassen – ein Bärendienst für den Tierschutz in Berlin.
Der Zirkus Voyage ist unterdessen weiter gezogen und hat Mausi mitgenommen. Wir geben aber nicht auf! Wir werden weiter alles dafür tun, die jeweils verantwortlichen Behörden für die Leiden von Mausi zu sensibilisieren.
