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Aktuelle Pressemitteilung

Tierschützer begrüßen Vorstoß der Umweltsenatorin

Die zehn Tierschutz‑ und Tierrechtsorganisationen der Berliner Initiative für ein Wildtierverbot in Zirkussen begrüßen, dass Umweltsenatorin Lompscher die Bezirksbürgermeister aufgefordert hat, keine öffentlichen Flächen mehr an Zirkusse mit Wildtieren zu vergeben. Sie hofft auf bundespolitische Konsequenzen und sieht eventuellen juristischen Schritten der Zirkuslobby gelassen entgegen.

Berlin, den 05.07.2010: Berlins Umweltsenatorin Karin Lompscher hat alle Berliner Bezirksbürgermeister aufgefordert, Zirkussen mit Wildtieren keine öffentlichen Flächen mehr zur Verfügung zu stellen. In einem jetzt publik gewordenen Brief betont sie zurecht, dass eine artgerechte Haltung von Wildtieren, „insbesondere von Affen, Elefanten, Giraffen, Nashörnern, Raubkatzen, Delfinen, Seelöwen und Flusspferden in Zirkussen nach übereinstimmender Expertenmeinung grundsätzlich nicht möglich ist“.

Senatorin Lompscher begründet ihren Vorstoß auch damit, dass die Bundesregierung trotz eines Bundesratsbeschlusses aus dem Jahre 2003 zum Thema nicht aktiv wird.

Die Initiative für ein Wildtierverbot gratuliert der Senatorin dazu, dieses wichtige Tierschutzthema nun aktiv anzugehen. Den angekündigten Klagen von Zirkusunternehmen sieht das Tierschutzbündnis gelassen entgegen und sichert der Senatorin ihre Unterstützung zu, denn Städte können die Vergabe von öffentlichen Flächen aus sachlichen Gründen verweigern. Die hundertfach dokumentierte, nicht artgerechte Haltung von Wildtieren ist ein solcher Grund.

Das Hauptproblem bleibt allerdings, dass die Bundesregierung, allen voran das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz weitestgehend untätig bleiben. Die Einführung eines Zentralregisters ist keine Lösung, während ein komplettes Wildtierverbot unter Bezugnahme auf § 2 des Tierschutzgesetzes problemlos möglich wäre.

„Wir hoffen, dass der Vorstoß von Karin Lompscher auch bundespolitische Auswirkungen hat und fordern Bundesministerin Aigner erneut auf, ein Wildtierverbot in die Wege zu leiten“, sagt Mahi Klosterhalfen, Sprecher der Initiative. Wie bereits viele Zirkusunternehmen in Deutschland und weltweit beweisen, ist ein Zirkus ohne Wildtiere durchaus umsetzbar.

ie schöne Fassade von Circus Krone beginnt zu bröckeln. Die Initiative für ein Wildtierverbot in Zirkussen schafft Klarheit über diverse falsche Werbeaussagen von Krone.

Initiative für ein Wildtierverbot in Zirkussen begrüßt den Elefanten-Schutz Europa e.V. als neues Mitglied. Der Verein hat einige Aussagen von Circus Krone hinterfragt. Hier die Ergebnisse der Recherche:

1) Circus Krone behauptet, nur Tiere zu erwerben, die nicht in freier Wildbahn geboren wurden. Elefant Colonel Joe sei z.B. in Los Angeles geboren worden.
Wahrheit: Elefanten-Schutz Europa hat recherchiert, dass Colonel Joe im Jahr 1964 wild in Asien geboren wurde. 1965 wurde er gefangen und nach Los Angeles in einen Kinderzoo gebracht. In den 70er Jahren kam er in den „Circus Vargas“. Von dort wurde er im Jahr 2002 an Circus Krone übergeben. Der Zoo in L.A. hat die Angaben über die Herkunft von Colonel Joe bestätigt. Auch alle anderen Elefanten im Circus Krone sind laut Elefanten-Schutz Europa Wildfänge.

2) Weiter behauptet Krone, der Elefantenbulle Colonel Joe sei 3,50 ⅿ hoch und damit der größte Elefantenbulle der Welt.
Wahrheit: Nach Recherchen von Elefanten-Schutz Europa ist Colonel Joe 3,08 ⅿ hoch. Und selbst wenn er 3,50 ⅿ groß wäre, wäre er nicht der größte Elefantenbulle der Welt. Der Elefant Yossi in Ramat Gan (Israel) misst nämlich laut Elefanten-Schutz Europa ca. 3,70 ⅿ.

3) Krone behauptet, King Tonga sei weltweit der einzige weiße Löwe in einem Zirkus.
Wahrheit: Auch der Circus Royal in Portugal und der Circus Mundial in Spanien haben nach Recherchen von Elefanten-Schutz Europa jeweils einen männlichen weißen Löwen.

4) Krone behauptet je nach Medium 200 oder 250 Tiere zu halten.
Wahrheit: Circus Krone hält laut Elefanten-Schutz Europa 107 Tiere: 42 Großpferde, 8 Kosakenpferde, 9 Ponys, 8 Elefanten, 8 Ziegen, 6 Lamas, 4 Zebras,


4 Kamele, 15 Löwen, 1 Nashorn, 1 Wildschwein und 1 Esel. Darüber hinaus besitzt Krone 3 Schweinsaffen, 2 Aras und 1 Flusspferd, die in diesem Jahr nicht dabei sind.

5) Krone behauptet, die Tiere würden aus Vorfreude auf die Vorführung hin und her weben bzw. tigern.
Wahrheit: Unabhängige Verhaltensforscher sind der Meinung, dass Stereotypien sich wiederholende Verhaltensweisen sind, die weder ein Ziel noch eine Funktion haben und auf psychische Störungen zurückzuführen sind. Diese Verhaltensanomalien wurden in der Freiheit noch nie dokumentiert und können laut der Verhaltensforscher auch nicht als Vorfreude oder Nervosität bewertet werden, da sie ansonsten nur vor und nicht auch nach der Fütterung oder der Vorführung auftreten würden.

6) Krone behauptet, für seine Tierschutzstandards vom Münchener Tierschutzverein mit der Goldenen Ehrennadel ausgezeichnet worden zu sein.
Wahrheit: Die Nadel wurde laut dem Tierschutzverein für eine langjährige Mitgliedschaft überreicht und hat mit Tierschutzstandards im Zirkus absolut nichts zu tun.

„Circus Krone nimmt es mit der Wahrheit nicht so genau. Wer in die Hochglanzbroschüren von Krone schaut und dort liest, man habe eine ‚Arche Noah‘ für Tiere geschaffen, sollte das bedenken“, so Zoologe Tobias Dornbusch von Elefanten-Schutz Europa. Die Initiative für ein Wildtierverbot in Zirkussen bekräftigt daher ihre Empfehlung, Circus Krone nicht zu besuchen.

Zusätzlich begrüßt die Initiative den Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V. im Bündnis. Damit kämpfen nun zehn Organisationen gemeinsam für einen Zirkus ohne Wildtiere.

Die Berliner Initiative für ein Wildtierverbot in Zirkussen setzt sich zusammen aus den Organisationen „AK Zirkus“ des Berliner Tierschutzvereins, Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, animal public e.V., Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V., Deutsches Tierschutzbüro, Elefantenschutz Europa e.V., peta2, Tier und Mensch e.V., Tierrechtsbündnis Berlin-Vegan, sowie Tierversuchsgegner Berlin und Brandenburg e.V.