Neueste Enthüllungen bei Circus Krone
Veröffentlicht am 24. September 2009Tierschützer haben Circus Krone über drei Tage hinweg genau beobachtet. Sie haben dabei 700 Fotos geschossen und 20 Videoclips gedreht, die mehrere Verstöße gegen die Zirkusleitlinien dokumentieren. Interessenten werden gebeten, sich schnell ein Bild zu machen, denn die Tierschützer der Initiative für ein Wildtierverbot in Zirkussen befürchten, dass Krone es anstreben wird, eine einstweilige Verfügung gegen die Veröffentlichung der Bilder zu erwirken, ohne dass der Sachverhalt vorher richterlich überprüft wird.
Die Liste der wichtigsten auf Bild und Video festgehaltenen Mängel vom 17. bis zum 19.09.09 umfasst 12 Punkte:
- Die Gehege der Elefanten waren zu klein, und es waren nicht ausreichend viele Innengehege vorhanden. Inzwischen wurde teilweise nachgebessert, aber die Initiative für ein Wildtierverbot in Zirkussen geht davon aus, dass die Gehege nach wie vor zu klein sind.
- Den Elefanten wurden keine Tränken angeboten.
Krone behauptet, Tränken seien unnötig, denn die Tiere würden ein paar Mal täglich getränkt werden. Die Initiative für ein Wildtierverbot sieht in den fehlenden Tränken dagegen eine Taktik des Dompteurs, der den Elefanten wohl verdeutlichen will, dass er die volle Kontrolle über ihre Verpflegung und damit auch über ihr Wohlergehen hat. - Die Elefanten wurden vor ihren Auftritten nicht aufgewärmt.
- Die Elefanten führen z.T. nicht verhaltensgerechte Kunststücke wie „Männchen machen“ und Kopfstand aus.

- Die Elefanten zeigen Verhaltensstörungen, die auf erhebliche Leiden schließen lassen: Sie weben mit den Köpfen hin und her.
Circus Krone behauptet, das Weben sei kein Tierschutzproblem, aber die Zirkusleitlinien des Bundesministeriums für Ernährung, Verbraucherschutz und Landwirtschaft (BMELV) bestätigt die Position der Tierschützer: „Auffallende und mitunter stundenlang anhaltende Bewegungsstereotypien (z.B. Kopfdrehen, Hin‑ und Herschwingen oder Dreh‑ und Wendebewegungen des ganzen Körpers, Hin‑ und Herlaufen in festen Bahnen) treten insbesondere bei in Menschenobhut gehaltenen Tieren auf. Sie können die Folge einer Haltung in zu kleinen oder nicht richtig eingerichteten Käfigen, der Einzelhaltung von sozialen Tieren oder einer unzureichenden Beschäftigung sein.“ Weiter heißt es zwar: „Treten dagegen stereotype Bewegungen nur kurzzeitig und durch erkennbaren Anlass ausgelöst auf (z.B. vor der Fütterung oder der Vorstellung), sind diese nicht unbedingt als Stereotypie im Sinne einer Verhaltenstörung zu bewerten“, allerdings wurden bei Krone webende Tiere auch vollkommen unabhängig von Auftritten oder Fütterungen beobachtet. - Die Elefanten sind häufig angekettet. Bei angekündigten Pressebesuchen ist das allerdings selbstverständlich nicht der Fall.
- Zwei Elefanten hatten keinen direkten Zugang zu Schatten. Inzwischen wurde nachgebessert.
- Die Pferde von Circus Krone erhalten nicht genügend Auslauf. Krone behauptet, dass die Boxen laut Zirkusleitlinien groß genug seien, um den Tieren keinen Auslauf zu geben. Das ist aber falsch, denn die Zirkusleitlinien sagen unabhängig von der Boxengröße: „Neben der eigentlichen Arbeit in der Manege ist den Pferden Zeit zur Beschäftigung mit dem Menschen und soweit möglich mit Artgenossen einzuräumen (Auslauf bzw. Paddock, ggf. Weide, Führen, Ablaufenlassen, Pflegemaßnahmen). Hierzu sollen Pferde mindestens 2 Stunden täglich außerhalb ihrer Unterkunft verbringen.“ Das ist bei Krone aber allein rechnerisch praktisch unmöglich, denn alle Großpferde sind Hengste und untereinander unverträglich. Behauptungen, dass das bei Hengsten immer so sei, sind schlichtweg falsch. Man kann auch Hengste sozialisieren, aber diese Arbeit scheint sich Circus Krone nicht machen zu wollen.
Krone behauptet, dass die Pferde vor allem in den Morgenstunden vor der Öffnung des Krone-Zoos um 10 Uhr Auslauf bekommen. „Das ist für uns absolut unglaubwürdig“, sagt Mahi Klosterhalfen, Sprecher der Initiative für ein Wildtierverbot, „denn Krone will uns trotz mehrfacher Nachfragen nicht gestatten, die angebliche Morgenarbeit zu beobachten.“ Stattdessen wird behauptet, die Amtsveterinäre würden die Morgenarbeit regelmäßig kontrollieren, doch amtliche Kontrollen vor 10 Uhr sind so selten, dass die Tierschützer auch dieses Argument nicht gelten lassen. Der Bezirk Zehlendorf ist diesbezüglich eine löbliche Ausnahme. Die Veterinäre haben so in der Vergangenheit auch schon mindestens einen Zirkus überrascht. Ob und wie sich Krone darauf vorbereitet, bleibt abzuwarten. - Einige Pferde bei Krone zeigen Verhaltensstörungen.
Circus Krone stellt infrage, ob dieses Video authentisch ist. Zu beiden veröffentlichten Videos gilt, dass alle Beteiligten bereit sind, eidesstattlich zu versichern, dass die Videos nicht manipuliert wurden, und dass die Angaben zu Ort und Datum der Aufnahmen korrekt sind. - Die Pferde von Krone wurden vor Vorstellungen nicht aufgewärmt.
- Auch die Ponys erhalten nicht genug Auslauf.
- Die Pferdeboxen der von Circus Krone engagierten Gruppe „Iriston“ sind zu klein, und die Pferde erhalten nicht genügend Auslauf.
Bei den Beobachtungen wurde ein Fokus auf die Pferde und die Elefanten gesetzt. „Das heißt aber nicht automatisch, dass bei den anderen Tierarten alles in Ordnung wäre“, ergänzt Mahi Klosterhalfen.
Die Initiative für ein Wildtierverbot in Zirkussen wird die Bilder und Videos dem Veterinäramt übergeben und setzt darauf, dass ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen Krone in die Wege geleitet wird. Außerdem behalten sich die Tierschützer weitere juristische Schritte vor.
Die offiziellen Zirkusleitlinien finden Sie hier auf den Seiten des BMELV.
Dieses Video zeigt gesammelte Aufnahmen im Circus Krone aus dem Jahr 2008: